Vergiftungsunfälle im Alter
Checkliste bei Vergiftungsunfällen
- Ruhe bewahren!
Übereiltes oder falsches Handeln kann gefährlicher sein als die eigentliche Vergiftung.
Schwere Vergiftungssymptome sind beispielsweise Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit.
- Nach Einatmen giftiger Gase Frischluftzufuhr!
- Notarzt bei schweren Vergiftungssymptomen (Tel. 19222)
- Vergiftungs-Informations-Zentrale, Arzt oder Krankenhaus anrufen
Für die Giftberatung ist Folgendes wichtig:
- Wer (Name, Alter, Gewicht) hat wann was in welcher Menge zu sich genommen?
- Wo kann ggf. zurückgerufen (Nummer hinterlassen) werden?
- Welche Symptome sind eventuell schon vorhanden?
- Welche Maßnahmen wurden bereits ergriffen?
- Wasser oder Tee (1 Glas) trinken!
Nach Verschlucken einer giftigen Substanz sollte maximal ein Glas Wasser ohne Kohlensäure, verdünnter Saft oder Tee zu trinken gegeben werden.
- Nach Augenkontakt oder Hautkontakt mindestens 10 Minuten mit Wasser spülen!
Bei der Ausspülung Augen mindestens 10 Minuten mit fließendem lauwarmen Wasser spülen
- Kein Erbrechen auslösen!
Es sollte kein Erbrechen ausgelöst werden, denn ätzende Substanzen können die Speiseröhre dann erneut schädigen, Lampenöl oder schäumende Substanzen gelangen leichter in die Atemwegen. Dort können sie die Lunge chemisch schädigen.
- Kein Salzwasser geben!
Kein Kochsalz einnehmen, da dadurch eine Vergiftung ausgelöst werden kann!
- Keine Milch geben!
Keine Milch trinken - durch den Fettgehalt der Milch wird u. U. die Aufnahme in den Körper verbessert.
Tipps zur Vorbeugung
Sämtliche Haushaltschemikalien (z.B. Reinigungsmittel, Spülmittel, lösemittelhaltige Produkte, Frostschutzmittel) sollten nicht neben Lebensmitteln aufbewahrt werden.
Keinesfalls dürfen derartige Produkte in Getränkeflaschen umgefüllt werden! Wenn möglich sollten vorsorglich Produkte mit Spenderverschluss benützt werden.
Zahnprothesenreinigungstabletten sollten wegen der Möglichkeit der Verwechslungs-gefahr nie auf dem Nachtisch oder zusammen mit Medikamenten gelagert werden.
Zur häuslichen Erstbehandlung nach Beratung ist es sinnvoll, einen
Entschäumer und
Aktivkohle vorrätig zu halten. Beides ist in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.
Gefahrenquellen kennen
Schäumende Mittel (z.B. Geschirrspülmittel, Waschmittel, Schampoo oder Allzweckreiniger) reizen Schleimhäute und können Erbrechen auslösen. Dabei kann Schaum in die Atemwege gelangen und diese schädigen.
Spezialreiniger wie Rohrfrei, Backofenreiniger, Flächendesinfektionsmittel und Bleichlaugen können zu schweren Verätzungen führen.
Benzin, Nitroverdünner, Terpentinersatz und Petroleum können zu schweren chemischen Lungenentzündungen führen.
Frostschutzmittel können bereits in geringen Mengen eine Nierenschädigung zur Folge haben.
Knopfzellen z.B. aus Hörgeräten können nach Verschlucken zu schweren Schädigungen der Speiseröhre führen.
Medikamente können schwere Vergiftungen hervorrufen.
Zahnprothesenreiniger in Tablettenform können nach Einnahme von ganzen Tabletten Verätzungen hervorrufen.
Besondere Gefahren im Alter
Sehbehinderung und Abnahme des Geruchs- und des Geschmackssinnes, wie im
Alter häufiger zu beobachten, führen zu speziellen Risiken:
Wegen des
herabgesetzten Geruchs- und Geschmackssinnes können manche ältere Menschen schlecht feststellen, ob sie etwas Genießbares essen oder trinken.
Im Falle einer
Demenz kann selbst bei erhaltenem Geruchs- und Geschmackssinn die Fähigkeit fehlen, zwischen Genießbarem und Ungenießbarem zu unterscheiden.
Kleingedruckte oder zu bunte Schriften können u. U. nicht oder nur mit Mühe gelesen werden. So können beispielsweise Medikamente verwechselt oder falsch dosiert werden.
Viele
Medikamente zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Stoffwechselerkrankungen können bei
Überdosis schwere Symptome verursachen, insbesondere bei vorbestehenden chronischen Erkrankungen.
Für Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben kann keine Haftung übernommen werden Quelle:
Vergiftungs-Informations-Zentrale des Universitätsklinikum Freiburg